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Hyperrealistische Architektur - Architekt Andreas Hild im Interview
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[erschienen in A10 #4, Jul/Aug 2005]

Foto: Wolfgang Thaler [LINK]

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Andreas Hild (43), arbeitet an der poetischen Überhöhung der Alltagsarchitektur. Nicht Erfindungen interessieren ihn, sondern Entdeckungen in Bereichen, die sonst von Architekten vernachlässigt oder verdrängt werden. Das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zählte "Hild und K" im Jahr 2004 zu den "Neuen Romantikern" in der deutschen Kunstszene. Andreas Hild gehörte als Student in Zürich zum harten Kern der "Analogen Architektur" um Miroslav Šik. Seit 1992 berufliche Partnerschaft "Hild & Kaltwasser" in München. Nach dem Tod von Tillmann Kaltwasser wurde das Büro umbenannt in "Hild und K", Partner seit 2000 ist Dionys Ottl. [LINK Hild und K]

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Oliver Elser: Herr Hild, was reizt Sie so sehr daran, „architectonically incorrect“ zu sein?

Hild: Ginge es nur darum, an Tabus zu rütteln und um nichts anderes, wäre das ziemlich schwach. Aber ich halte es für notwendig, sich über die „architectonical correctness“ der Architektenschaft ein bisschen lustig zu machen. Sie ist eine eingeschworene Community, die mit Zeichen und Bildern untereinander kommuniziert, über die vollkommene Einigkeit herrscht. Aber wo so wenig Varianz ist, dort ist keine Kraft, keine Poesie, dort entstehen keine interessanten Diskussionen. Insofern hat die „architectonical incorrectness“ ein gewisses Potential, andere Zuhörerschaften und andere Diskussionsfelder zu erschließen und ist damit aufregender als die Diskussion, die sonst unter Architekten geführt wird.

Worum ginge es denn bei einer aufregenden Architekturdiskussion?

Hild: Aus meiner Sicht ist es so, dass Architekten nur sehr selten ein formales Risiko eingehen. Egal, welcher Richtung sie angehören, haben sie ihren sicheren Kanon und ein Publikum, das sie versteht. Die einzigen Herausforderungen sind dann nur noch technische Risiken. Sie machen Dinge, die technisch komplex sind, scheuen aber bedeutungstechnische Risiken.

Sie meinen, die Architekten scheuen sich, etwas vorzuschlagen, was andere Architekten nicht verstehen? Was könnte das sein?

Hild: Es könnte ja durchaus passieren, dass man einmal etwas baut, das richtig schlecht ist. Ich denke, wenn man nie richtig danebenhaut, hat man nie etwas riskiert.

Reizt sie das, in einen Bereich vorzustoßen, wo alle sagen, "das ist schlecht"?

Hild: Wir hatten schon Projekte, bei denen die meisten Kollegen sich mit Grausen abgewendet haben. Bei denen es Jahre gedauert hat, bis die Fachzeitschriften sich dafür interessiert haben. Die Berliner Fassade, wo wir den in der Nachkriegszeit abgeschlagenen Stuck eines gründerzeitlichen Wohnhauses durch die wortwörtliche Übertragung der originalen Architekturzeichnung ersetzt haben, ist nichts, was viele Architekten begeistert. Der Auftraggeber hat uns die alte Zeichnung vorlegt und gesagt: "machen sie es genau so!". So haben wir es dann auch gemacht, nur eben nicht mit Stuck, sondern mit einem in den Putz gedrückten Linienmuster, dass in der Zeichnung den Stuck repräsentieren sollte. Die Bauherren waren zufrieden und die Nachbarn sind es, denke ich, ebenfalls.

Das heißt, sie machen bewusst "populäre Architektur"?

Hild: Diskussionen über Architekturfragen kann man selten mit dem Mann auf der Straße führen. Der Diskurs, an dem wir teilnehmen, findet im non-verbalen Bereich statt. Er erwickelt sich im Nebeneinanderstehen von Gebäuden. Jedes neue Haus führt einen Dialog mit dem Kontext und der Geschichte.

Aber viele ihrer Projekte haben ja gar keinen Kontext im klassischen Sinne, wie etwa der "Gold-Container" in Landshut. Dort wurden sogar Radiospots geschaltet, um das Projekt populär zu machen.

Hild: Die haben sich zwar an die Bevölkerung gerichtet, aber eigentlich sollten damit die Politiker erreicht werden. Die Leute lesen dort das Wort "Sammeln", geformt aus sieben Betonfertigteilscheiben, die den Raum zwischen einem Trafo-Häuschen und einem Wartehäuschen überbrücken. Beide gab es bereits. Unser Auftrag war es, die verbindende "Schamwand" zu entwerfen, hinter der die Wertstoffbehälter aufgestellt werden sollten. Wir haben darauf sehr plakativ geantwortet, mit nichts als der Buchstabenwand und indem wir alles, also auch die beiden vorhandenen Bauten, mit Goldfarbe anstreichen ließen. Um das bei den Entscheidungsträgern der Stadt irgendwie akzeptabel zu machen, musste das Projekt regelrecht künstlerisch verbrämt werden. In Zusammenarbeit mit dem Fremdenverkehrsamt wurden Buttons geprägt und Radio-Jingels gemacht. Denn Landshut feierte das „Jahr des Goldes“ und wir waren die einzigen, die etwas Zeitgenössisches beigetragen haben.

Ganz im Gegensatz dazu steht Ihr Parkhaus in der Messestadt München-Riem. Es fällt kaum auf, was es dazu prädestiniert hat, im Deutschen Pavillon auf der Architekturbiennale 2004 gezeigt zu werden. Wurde dort in der "Deutschlandscape" zum ersten Mal eine neue Richtung erkennbar, der sich „Hild und K“ zugehörig fühlt?

Hild: Nur weil 39 Projekte in eine raumfüllende Panorama-Tapete hineinmontiert waren, heißt das noch nicht, dass jeweils mit ähnlichen Fragestellungen operiert wird. Es waren aber relativ viele Bauten dabei, etwa 10 oder 12, die von einer ähnlichen Richtung bestimmt sind.

Wie würden Sie diese Richtung bezeichnen? Als „verfeinerte Alltäglichkeit“? „Architektur auf den zweiten Blick“?

Hild: Ich würde sagen, dass es der Versuch ist, zu einer Poetisierung der alltäglichen Welt, der alltäglichen Architektur zu gelangen. Es wird nicht versucht, sogenannte „gute Form“ zu importieren, sondern die Gebäude sind aus einem Sprachsystem entwickelt, das am Ort vorhanden ist. Dabei wird auch auf sogenannte schlechte, banale oder normale Architektur zurückgegriffen. Das unterscheidet sich schon sehr stark von dem, was wir im Normalfall machen, weil zwar das „Normale“ ein wichtiges Thema ist, wir aber keine „neuen Hässlichen“ sein wollen.

Wieso nicht hässlich? Was sind da die Tabus?

Hild: Erst einmal keine. Aber natürlich gibt es bei der Auswahl der Motive, die wir aufgreifen, solche, bei denen es mir leichter fällt und andere, bei denen es schwerer ist. Unser Repertoire entwickelt sich sehr langsam.

Ihr Repertoire wurde ganz massiv geprägt von der Studienzeit an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, wo Sie dem harten Kern um Miroslav Šik angehörten, der versucht hat, Mitte der achtziger Jahre eine "Analoge Architektur" zu etablieren. Sind Sie immer noch ein Analoger?

Hild: In dem Sinne, die "Analoge Architektur" als Verfahren, nicht als Stil zu verwenden, ja, durchaus. Ich würde sogar noch weitergehen und behaupten, alle Architekten entwerfen so.

Entwerfen wie? Doch nicht etwa analog?

Hild: Doch, in gewisser Weise schon. Alle Architekten nehmen Bezüge auf, arbeiten mit vorhandenem Material. Das ist, wie wenn Sie einen Text schreiben. Sie haben ein bestimmtes Vokabular. Im Normalfall werden Sie keine Wörter erfinden. In einem großem Text kann man vielleicht ein einziges Wort erfinden. Der Inhalt des Texts ist das eigentliche Produkt, nicht die Worte, mit denen er geschrieben wurde. Beim Entwerfen von Architektur ist es so, das der formgebende Prozesse sich auf Dinge bezieht, die aus der Erinnerung geholt werden und dann in der Zusammenstellung, als Text, einen neuen Inhalt bekommen. Zusätzlich kann dieses Verfahren im Text transparent gemacht werden. Wir haben als Büro sehr viel Spaß an diesem selbstreflexiven Teil des Textes.

Können Sie das an einem Gebäude plausibel machen?

Hild: An einem Gebäude selbst, ohne Erklärung, kaum. Es ist ja in erster Linie ein Haus, kein Text. Wir gehen aber sehr offensiv mit unseren Bildern um, indem wir sie erklären und erläutern. Die Vorbilder und Strategien der Projekte werden immer auch sehr bewusst kommuniziert.

Als Teil der Öffentlichkeitsarbeit?

Hild: Wir kommunizieren das Entwurfsverfahren inklusive der verwendeten Vorbilder als Teil der theoretischen Praxis des Büros. Das ist akademische Öffentlichkeitsarbeit, wenn Sie so wollen.

Das heißt, der theoretische Output ist immer an Projekte gebunden?

Hild: Ja, der theoretische Output, das sind die Gebäude.

Aber die Gebäude, das haben Sie gerade gesagt, sind doch auch ohne das Wissen über die theoretischen Hintergründe lesbar, oder nicht?

Hild: Absolut. Es sind Häuser, ganz einfach Häuser. Aber sie erzählen auch etwas über ihre Entstehungsbedingungen. Sie können sie so oder so lesen. Die vielfache Lesbarkeit, das...

... das klingt wie Charles Jencks, der sich doch auch eine vielsprachliche Architektur gewünscht hat. Ein postmodernes Prinzip.

Hild: Nennen sie es meinetwegen postmodern. Bloß, weil die vielfältige Lesbarkeit unserer Bauten eine Forderung ist, die wir an uns selbst stellen, muss es nicht aussehen wie bei Jencks. Es gibt noch einen anderen Aspekt, den ich bei ihm interessant finde: Alle neuen Dinge in der Architektur werden nur durch Ironie einführbar...

Aber die Moderne war doch frei von Humor!

Hild: Ich glaube nicht, dass Le Corbusiers "Maison Citrohan" so völlig ironiefrei war. James Stirling konnte bei der Staatsgalerie in Stuttgart nur durch die Pop-Art zu Karl Friedrich Schinkels Grundrissen gelangen.

Wenn Sie sich auf die ironische Seite der Postmoderne beziehen, sind wir wieder bei der postmodernen Sehnsucht danach, "populär" zu sein. Das war das erklärte Ziel und nicht ohne Grund wurde das erste Manifest zur Postmoderne, Leslie A. Fiedlers "Cross the border – Close the gap: Post-Modernism" zuerst im "Playboy" abgedruckt.

Hild: Ironie kann aber niemals das Endziel sein. Manche Dinge bekommen durch ihre affirmative Verwendung einen ironischen Aspekt, wie etwa bei der schon erwähnten Fassade in Berlin. Interessanterweise wird dieser Aspekt im akademischen Diskurs wahnsinnig überbetont, im populären Diskurs aber kommt er gar nicht vor. Das haben wir gemerkt, als wir den zweiten, winzigen Auftrag in Landshut bekommen haben, ein Buswartehäuschen. Wir wollten es aus Stahlplatten machen, durch die man aber hindurchsehen können sollte. Als gute Architekten sind wir zum Statiker gegangen und haben gefragt, wie viel Material wir denn herausnehmen dürfen. Der meinte, das wäre bei 12 Millimeter starken Platten eigentlich egal. Dann sind wir zum Schlosser gegangen, wo die CNC-Fräse steht, die die Öffnungen herausschneidet und haben den gefragt, was seine Maschine denn schneiden will. Wir wollten einfach irgendeinen Anhaltspunkt für das Entwerfen haben. Auch der Schlosser meinte, das sei egal. Gut, wenn es beliebig ist, dann nehmen wir eben das, was seit der Moderne als Gipfel der Beliebigkeit bekämpft wird. Also haben wir einfach aus einem Buch ein ornamentales Muster kopiert, einen Scherenschnitt, fertig war der Entwurf. Das war vor fast zehn Jahren. Heute würde das niemanden mehr aufregen. Die Leute vor Ort fanden es entweder wunderbar oder hässlich. Nur im akademischen Diskurs war viel von Ironie die Rede. Was ja auch stimmt, nur ist das angesichts der Lebensdauer von Gebäuden nicht so interessant. Polemische Abgrenzungen werden schnell von anderen eingeholt.

Die Freude am Tabubruch ist trotzdem unübersehbar. Ornamente gibt es zwar immer noch bei Ihren Bauten, aber das aktuelle Lieblings-Reizthema heißt Vollwärmeschutz.

Hild: Das meinen wir nicht polemisch. Es gibt doch eine unglaubliche Diskrepanz zwischen der massenhaften Verwendung gedämmter Putzfassaden und der Reflektion darüber. Jeder Architekt verwendet den Thermoputz, hasst ihn aber im Grunde seines Herzens und tut deswegen so, als gäbe es ihn nicht. Dort, wo niemand hinschaut, dort, wo alle die Augen zumachen, dort ist am ehesten ein Potential für Entwicklungen, für Abenteuer, für Dinge, die man entdecken kann. Wo alle hingucken wird nichts mehr entdeckt.

Beim sozialen Wohnbau in der Lohengrin-Straße in München spielen Sie mit der Putzfassade auf eine akademische Weise, die sogar Peter Eisenman gefallen könnte: Die Balkone werden "dekonstruiert", indem sie bei diesen nicht gedämmten Bauteilen die ansonsten verborgene Betonkonstruktion zeigen. Ist das für Sie ein architektonisches Abenteuer?

Hild: Zugegeben, die Lohengrin-Straße ist ein sehr didaktisches Projekt. Wir glauben, dass wir uns das einmal schon leisten können. Aber wir arbeiten auch mit Firmen zusammen und forschen daran, wie man die Oberflächen einer banalen Thermoputzfassade verändern könnte. Bei dem Laborgebäude B.F.T.S. in München haben wir versucht, uns mit einem Farbauftrag der eigentlich nicht vorhanden Materialität des Wärmedämmverbundsystems zu nähern. Dort wollten wir die Oberfläche so glatt wie möglich machen und haben darauf eine Lasur aufgetragen, die den Eindruck vermittelt, das Haus sei mit einer Art Stoff überzogen. Die "Haut" als etwas sehr verletzliches, dünnes wird hier thematisiert.

Aber ist das nicht camouflage? Heißt das nicht, dass auch Sie die Thermohaut hassen und sich eigentlich wünschen, 90 Zentimeter dicke Wände mauern zu lassen und auf Dämmung ganz zu verzichten?

Hild: Überhaupt nicht. Es ist einfach keine Fragestellung, ob man als Architekt den Putz mag oder nicht. Es gibt eine Stelle bei Marcel Proust, die das wunderbar beschreibt: In den meisten Fällen, schreibt er sinngemäß, gelangen wir nicht an den Punkt, die Dinge zu verändern - dabei wäre es viel einfacher, das Denken über die Dinge zu verändern. Das Denken über die Dinge wird mit der Zeit die Dinge verwandeln. Das ist für mich ein sehr aufregender Gedanke. Ich finde das den viel spannenderen Prozess und nicht etwa, mir vorzunehmen einen sozialen Wohnungsbau mit 90cm dicken Wänden zu errichten, damit ich eine ehrliche Haut bekomme.

Ist Ihr Ziel die Überwindung der alltäglichen Grausigkeiten durch ein neues Niveau der Reflektion?

Hild: Nein, überhaupt nicht. Es geht darum, das, was Sie Grausigkeit nennen, als poetisch zu erkennen. Wie kann ich denn sonst überleben? Wenn es mir nicht gelingt, die Welt als magischen Ort wahrzunehmen, als poetischen Ort, als schönen Ort in einem ganz sinnlichen Sinne – wenn mir das nicht gelingt, dann kann ich die nächsten zehn Minuten nicht überstehen.

Das heißt die Schönheit steckt in jedem Neubaugebiet?

Hild: Die muss da sein! Wir sehen sie nur möglicherweise nicht. Denn es wird ja so und nicht anders gemacht von den Leuten, die dort leben, freiwillig, im Neubaugebiet aus lauter Einfamilienhäusern. Es ist meine Aufgabe, die Schönheit zu erkennen und in einer Art hyperrealistischer Architektur dort einen Kristallisationspunkt zu finden, an dem das, was ich sehe, jemand anderem auch erklärt werden kann.

Viele Projekte sind in der Tat stark erklärungsbedürftig. Zum Beispiel der soziale Wohnungsbau auf der Theresienhöhe in München.

Hild: So wie wir bei anderen Gebäuden mit Teilbereichen der Architektur oder mit Dingen arbeiten, war hierbei ein konkretes Gebäude der Ausgangspunkt. Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Wohnungsbau von Alvar Aalto für die Interbau in Berlin von 1957. Um das Gebäude mit seiner Typologie auf dem konkreten Grundstück verwenden zu können, haben wir es verschiedenen Transformationen unterzogen. So ist es z.B. nur halb so hoch, wurde aber verdoppelt und steht sich selbst noch einmal spiegelbildlich gegenüber. Natürlich mussten die Grundrisse an heutige Fördernormen angepasst werden. Es entsteht so etwas wie eine Verformung des Vorbildes durch eine konkrete Anforderung. Was uns interessiert hat, ist die Abweichung, die durch die Verwendung einer Form, einer Typologie, eines städtebaulichen Musters entsteht. Wir sind der Überzeugung dass durch das Bemühen, das Gleiche zu tun, etwas völlig Neues entstanden ist.

Wenn Sie bei einem Haus sehr bewusst mit Stilelementen arbeiten, dann spielt sich das weitgehend auf der äußeren Hülle ab. Die Innenräume sind klassisch weiß. Warum diese Zurückhaltung?

Hild: Für den Neubaubereich mag das stimmen. Natürlich wäre es interessant, dort stärker einzugreifen. wir machen aber auch viel Innenarchitektur im Bestand. Die Verbindung von beidem wird leider nur sehr selten nachgefragt. Aber Asplund hat ja auch nur eine Villa Snellman gebaut und nicht vier.

Wie viel Erziehungsarbeit ist denn nötig, damit Ihre Bauherren Ihnen folgen?

Hild: Bei privaten Bauherren ist es für uns leichter, als bei den öffentlichen. Dort sitzen die Profis, also die Architekten. Und mit denen haben wir schon öfters ein Vermittlungsproblem.

Mal verwenden Sie Aalto-Grundrisse, mal geht das Ergebnis, bei dem Haus in Aggstall, in Richtung Neo-Biedermeier. Gibt es denn nicht die Sehnsucht nach einer bestimmten Epoche?

Hild: Nein. Das unterscheidet uns von vielen anderen. Es gibt bei uns nur die Sehnsucht nach einer Schlüssigkeit eines Konzeptes. Dafür wählen wir dann die Epoche, von der wir denken, das es damit am besten geht.

Sie haben immer wieder als Gastprofessur an verschiedenen Hochschulen gelehrt, zuletzt in Hamburg. Ist der "radikale Eklektizismus", den Sie für die eigenen Bauten in Anspruch nehmen, etwas, das sie dort den Studenten vermitteln?

Hild: In der Lehre geht es mir darum, die Stellvertreter zu vermeiden. Die Lehre, aber auch die Architektur krankt daran, dass wir Architektur anhand von Zeichnungen und kleinen Skulpturen, sprich: 1:100-Modellen, auswählen. Wir unterhalten uns nicht über die Sache selbst, sondern über Stellvertreter. Das, worin Architektur besteht, findet nie statt. Im ganzen Studium nicht. Deswegen war es dort mein Ziel, die Sache selbst zu produzieren. So haben wir einmal ein Puppenhaus entwerfen lassen, einmal eine Hundhütte gemacht.

Und wie lösen Sie im Büro das Stellvertreterproblem im Umgang mit den Bauherren?

Hild: Wir arbeiten sehr stark mit Bildern, die nicht unsere Architektur zeigen. Wir sind nicht so ein rendering-basiertes Büro. Sondern es wird versucht, mit vielen Assoziationen das Problem einzukreisen. Und dann, wenn es klar ist, mit einer einfachen technischen Zeichnung auszukommen. Ein suggestives Bild muss im Kopf entstehen, nicht auf der Zeichnung.

[LINK Hild und K]

[LINK A10 - new European Architecture]